Fachklinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung
Orthopädie (AHB)
 

37242 Bad Sooden-Allendorf

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der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner - finden Sie hier


Generalisierte Tendomyopathie

oder "wenn alles weh tut"
von
Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung
der Klinik Hoher Meißner
 
 

Allgemeine Informationen zur generalisierten Tendomyopathie

Nach vorsichtigen Schätzungen leiden in Deutschland mehr als 2 Millionen Menschen an einer generalisierten Tendomyopathie. Damit ist die generalisierte Tendomyopathie keineswegs eine seltene, sondern eine häufige Erkrankung.

Es handelt sich bei der generalisierten Tendomyopathie um eine "problematische" Erkrankung, da einer Fülle von Beschwerden das Fehlen von "harten" Befunden gegenüber steht. Die durchgeführten Laboruntersuchungen ergeben ebenso wenig pathologische Auffälligkeiten, wie die bildgebenden Verfahren.

Die generalisierte Tendomyopathie stellt immer eine Ausschlussdiagnose dar, die sich ausschließlich auf die subjektiven Beschwerden des Patienten in Form ausgedehnter Schmerzregionen sowie die Diagnosekriterien des American College of Rheumatologie (nach Wolfe et al. 1990) stützt.

Tendomyopathie -Patienten klagen über diffuse Schmerzen am ganzen Körper, bevorzugt in der Lendenwirbelsäulen- und Halswirbelsäulenregion, aber auch in den Extremitäten und der Kieferregion. Fast alle Tendomyopathie -Patienten beklagen einen Leistungsknick, allgemeine Leistungsschwäche, leichte Ermüdbarkeit und frühmorgendliches Unausgeruhtsein bei gestörtem Nachtschlaf. Weiterhin finden sich funktionelle und vegetative Begleitbeschwerden, z. B. kalte Finger und Füße, Zittern der Hände, Schwindelerscheinungen, Neigung zum Schwitzen und fast immer Magen-Darm-Störungen im Sinne eines "Colon irritabile" mit dem Gefühl eines überblähten Bauches und dem Wechsel von Durchfall und Verstopfung.

Die Symptome der Tendomyopathie werden durch kaltes/feuchtes Wetter, laute Geräusche, Überanstrengung und Stress verstärkt.

Bei den Tendomyopathie -Patienten überwiegen Frauen im Verhältnis 85 zu 15 deutlich gegenüber Männern.

Das Fehlen von überprüfbaren diagnostischen Fakten ist für die Patienten oft schwer zu verkraften, so dass die Betroffenen sich oftmals als "Simulanten" oder "Rentenjäger" diskriminiert fühlen.

Die Ursache der generalisierten Tendomyopathie ist unklar. Wahrscheinlich stellt die Erkrankung eine Reaktionsform des Organismus auf unterschiedliche Reize dar. Langandauernder familiärer, beruflicher oder sozialer Stress führen zu einem Überforderungssyndrom mit veränderter Selbstwahrnehmung und möglicherweise Störung von neuroendokriner Regulation in unterschiedlicher Ausprägung.

Therapie der generalisierten Tendomyopathie

Die Behandlung der Tendomyopathie -Patienten/innen nehmen wir seit Jahren sehr ernst und die Fibromyalgie stellt eine Hauptindikation unserer Orthopädischen Abteilung dar.

Wir verzeichnen seit 1998 einen kontinuierlichen deutlichen Anstieg der behandelten Tendomyopathie -Patienten/innen. 1998 waren es nur 40 Patienten/innen, im Jahre 2003 mehr als 300 Patienten/innen.

Leider können wir Ihnen keine Wunderspritze oder Wundertablette zur Heilung der Tendomyopathie anbieten.

Das komplexe und vielschichtige Beschwerdebild der generalisierten Tendomyopathie erfordert einen multimodalen Therapieansatz unter stationären Bedingungen über eine Zeitdauer von mindestens 3 Wochen, bei schweren Verläufen auch länger.

Ganz individuell wird mit Ihnen, als betroffenem/r Tendomyopathie -Patient/in, ähnlich einem Puzzle, ein vielschichtiges Behandlungsprogramm erstellt. Davon versprechen wir uns eine bestmögliche Linderung Ihrer typischen Tendomyopathie -Beschwerden.

Ebenso wichtig erscheint uns Ihre umfassende Information über die vorliegende Erkrankung und deren Prognose. Dazu wird Ihnen eine themenzentrierte Kleingruppenarbeit unter psychologischer und ärztlicher Begleitung angeboten.

Schmerzfreiheit können wir leider nicht versprechen. Wir wünschen uns, mit Ihnen gemeinsam ein Stück auf dem Weg zur Beschwerdelinderung voranzuschreiten und werden dazu alle unsere Möglichkeiten mobilisieren. 

Speziell umfasst unser typisches Behandlungskonzept bei Tendomyopathie folgende Inhalte:

Ärztliche Betreuung von Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Untersuchung und Anamnese zwecks Diagnosesicherung unter Beachtung der Ausschlusskriterien.
  • Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, therapeutische Möglichkeiten und Prognose.
  • Vermittlung von bio-psycho-sozialen Zusammenhängen unter der Zielsetzung.
  • Sorgfältige sozialmedizinische Beratung und Erstellung eines positiven und negativen Leistungsbildes unter Berücksichtigung der funktionellen Leistungseinschränkungen und des Leidensdruckes der Betroffenen, unter Einschaltung der Sozialarbeiterin.
  • Weichenstellung für sinnvolles Freizeitverhalten und weiterführende geeignete sportliche Aktivitäten.
  • Akupunktur im Sinne von Körper- und Ohrakupunktur zur Schmerzlinderung und Entspannung.
  • Ggf. transkutane Nervenstimulation (Tens).
  • Ggf. therapeutische Lokalanästhesie.
  • Ggf. medikamentöse Therapie.
  • Ggf. Chirotherapie unter Bevorzugung von "weichen" mobilisierenden Techniken (bei gleichzeitigem Vorliegen von Blockierungen im Wirbelsäulen- oder Gelenkbereich).
  • Problem- und verhaltenstherapeutisch orientierter Gesprächskreis - Fibromyalgie - unter psychologischer bzw. psychologischer und ärztlicher Führung. (wöchentlich 1,5 bis 2 Stunden zum Gedankenaustausch, Fragen und Antworten und Vermitteln von Selbsthilfestrategien im Umgang mit der generalisierten Tendomyopathie)
Psychologische Behandlung von Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner
Basierend auf einem kognitiv-behavioralen Ansatz.
  • Erhebung der biografischen Anamnese unter psychodynamischen Gesichtspunkten.
  • Aufklärung über die Erkrankung und mögliche Zusammenhänge der Schmerzen mit sowohl physischen wie auch psychischen Belastungssituationen.
  • Aufklärung und Information - Kennenlernen und Verstehen der Eigenheiten und Bedeutung von Schmerzen - Beruhigung bzgl. der Prognose des Leidens.
  • Orientierung der Patienten auf ihre Ressourcen und Aufbau schmerzbezogener Kontrollüberzeugungen.
  • Schmerz soll als Herausforderung, die es zu bewältigen gilt und nicht als Schicksal, dem man hilflos ausgeliefert ist, verstanden werden.
  • Verbesserung der Lebensqualität nach dem verhaltenstherapeutischen Ansatz von LUTZ & KOPPENHÖFER (1983) zum Aufbau positiven Erlebens und Handelns bei depressiven Patienten - Vermeiden von Stress - Verbesserung der Wahrnehmung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse ohne übermäßige Angst vor Konflikten - Abbau des eigenen überhöhten Anspruchsniveaus, um mehr Zeit für sich selbst und ausgleichende Aktivitäten zu haben - Transfer in den Alltag.
  • Vermittlung und Training von Entspannungstechniken.

1. Physiologisch:

  • Senkung des schmerzverstärkenden physiologischen Erregungsniveaus.
  • Periphere Gefäßerweiterung.
  • Regulierung der Atmung.
  • Senkung der Herzfrequenz.
  • Veränderung der Hirnaktivität.

2. Psychologisch:

  • Erleben von zunehmender Ruhe und Gelassenheit.
  • Erfahrung der Kontrollierbarkeit und Beeinflussbarkeit des eigenen Körpers.
  • Verbesserung der Wahrnehmung, welche Situationen Anspannung und Schmerz auslösen.
  • Reduzierung der Ängstlichkeit.
  • Verbesserung der Schlafqualität.
  • Lenkung der Aufmerksamkeit und positive Imagination.

Spezielle Krankengymnastik für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

Täglich spezielle Einzel- oder Kleingruppengymnastik für Tendomyopathie -Patienten/innen zu Lande und im Wasser. Diese beinhalten:

  • Dehnungsübungen für verkürzte Muskulatur nach vorheriger Funktionsanalyse. Verhaltenstraining im Sinne von Rückenschule/ Gelenkschule. Erlernen eines "Stretching-Programmes" zwecks häuslicher Weiterführung in Eigenregie. Ggf. Aquamotion als Einzeltherapie (Tiefenentspannung). Ggf. Beckengürtelgymnastik, Schultergürtelgymnastik oder Wirbelsäulengymnastik.

Physikalische Therapie für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Wannenbäder (z. B. Molke-, Kamillenblüten-, Rheuma-, Melisse-, Öl-, Kohlendioxydbad).
  • Elektrotherapie (Niederfrequenz-, Mittelfrequenz-, Hochfrequenztherapie).
  • Magnetfeldtherapie.
  • Moorbad und Moorpackungen mit Naturmoor.
  • in Einzelfällen Kryotherapie (Kältetherapie) mit Kaltmoor und Kaltluft (keine Kältekammer).
  • Segmentmassage.
  • Akupunktmassage.
  • Fußreflexzonenmassage.
  • manuelle Schmerztherapie.
  • Lymph-Migränebehandlung.
  • Lymphdrainage.
  • Wärmebett.
  • Infrarotkabine (Tiefenwärme).

Vorsichtig dosierte Spezielle Medizinische Trainingstherapie für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • In offenen Gruppen ohne Leistungsdruck zur Verbesserung von Kraft und Ausdauer.
  • Spiele und Übungen ohne Gewinner und Verlierer.
  • Walken.
  • Moderates Ergometertraining.

Spezielle Ergotherapie für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner
Kreativgruppe (nur für Tendomyopathie -Patienten/innen).
Meditatives Malen

  • Aktivitäten, wie Seidenmalerei, Weben, Peddigrohrarbeiten, Serviettentechniken, Kratztechniken und andere Bastelarbeiten sollen Impulse geben, ihre eigene Kreativität und Spontaneität zu entfalten, auf schöpferischem Sektor Erfolgserlebnisse zu verzeichnen und dadurch Spaß und Freude haben.
  • Meditatives Malen
Fingergruppe, warmes oder kühles Sand-/Kiesbad.

Interferenzhandschuhbehandlung.

Medikamentöse Therapie für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Häufig Amitriptylin in niedriger Dosierung.
  • Muskelrelaxantien.
  • Nur im Ausnahmefall nichtsteroidale Antirheumatika.

Sozialberatung für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Hilfestellung bei sozialrechtlichen Fragen entsprechend SGB.
  • Hilfe bei beruflicher Reintegration.

Ernährung und Ernährungsberatung für Tendomyopathie -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Fleischarme bzw. vegetarische Kost.
  • Gruppen-, evtl. Einzeldiätberatung durch Diätassistentin.
  • Vortrag: Ernährungsstrategien bei Fibromyalgie.
  • Koch- und Backkurs.
Besondere Angebote in der Klinik Hoher Meißner

Möglichkeit zur zeitgleichen Anreise des Ehepartners als Begleitperson (siehe unter www.reha-klinik.de)
Wenn gewünscht, ist auch die Anreise mit minderjährigen Kindern möglich, nach Rücksprache mit unserem Aufnahmebüro (unter der Telefonnummer 05652/55803).
In Einzelfällen Infrarothyperthermiebehandlung (siehe unter www.1-hyperthermie.de).
Für viele unserer Patienten/innen konnten wir durch unser dargestelltes komplexes Schmerztherapie- und tendomyopathie typisches Behandlungsprogramm eine deutliche Beschwerdelinderung erreichen und wir würden uns freuen, unsere Erfahrungen auch in Ihren Dienst stellen zu können.
Wenn Sie Fragen haben, so rufen Sie doch einfach an (Telefon: 05652/55821) oder besser senden Sie eine E-Mail (orthopaedie@reha-klinik.de).

Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.

Mit allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Petra Brückner

Chefärztin der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Fachärztin für Orthopädie, Fachärztin für Physikalische
und Rehabilitative Medizin, Chirotherapie,
Neuraltherapie und Akupunktur

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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