Fachklinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung
Orthopädie (AHB)
 

37242 Bad Sooden-Allendorf

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der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner - finden Sie hier


Fibromyalgie-Syndrom
oder "wenn alles weh tut"
 
von Dr. med. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung
der Klinik Hoher Meißner

Allgemeine Informationen zum Fibromyalgie-Syndrom

Nach vorsichtigen Schätzungen leiden in Deutschland mehr als 2 Millionen Menschen an einem Fibromyalgie-Syndrom.
Damit ist das Fibromyalgie-Syndrom keineswegs eine seltene, sondern eine häufige Erkrankung.

Der Begriff "Fibromyalgie-Syndrom" wurde von Hench 1976 eingeführt und von Yunus et al. 1981 weiter diagnostisch definiert. Er ersetzt die früheren Begriffe "Fibrositis" der anglo-amerikanischen Literatur oder "generalisierte Tendomyopathie" im deutschsprachigen Raum.

Es handelt sich beim Fibromyalgie-Syndrom um eine "problematische" Erkrankung, da einer Fülle von Beschwerden das Fehlen von "harten" Befunden gegenüber steht. Die durchgeführten Laboruntersuchungen ergeben ebenso wenig pathologische Auffälligkeiten, wie die bildgebenden Verfahren.

Das Fibromyalgie-Syndrom stellt immer eine Ausschlussdiagnose dar, die sich ausschließlich auf die subjektiven Beschwerden des Patienten in Form ausgedehnter Schmerzregionen sowie die Diagnosekriterien des American College of Rheumatologie (nach Wolfe et al. 1990) stützt.

Fibromyalgie-Syndrom -Patienten klagen über diffuse Schmerzen am ganzen Körper, bevorzugt in der Lendenwirbelsäulen- und Halswirbelsäulenregion, aber auch in den Extremitäten und der Kieferregion. Fast alle Fibromyalgie-Syndrom -Patienten beklagen einen Leistungsknick, allgemeine Leistungsschwäche, leichte Ermüdbarkeit und frühmorgendliches Unausgeruhtsein bei gestörtem Nachtschlaf. Weiterhin finden sich funktionelle und vegetative Begleitbeschwerden, z. B. kalte Finger und Füße, Zittern der Hände, Schwindelerscheinungen, Neigung zum Schwitzen und fast immer Magen-Darm-Störungen im Sinne eines "Colon irritabile" mit dem Gefühl eines überblähten Bauches und dem Wechsel von Durchfall und Verstopfung.

Die Symptome beim Fibromyalgie-Syndrom werden durch kaltes/feuchtes Wetter, laute Geräusche, Überanstrengung und Stress verstärkt.

Bei den Fibromyalgie-Syndrom- Patienten überwiegen Frauen im Verhältnis 85 zu 15 deutlich gegenüber Männern.

Das Fehlen von überprüfbaren diagnostischen Fakten ist für die Patienten oft schwer zu verkraften, so dass die Betroffenen sich oftmals als "Simulanten" oder "Rentenjäger" diskriminiert fühlen.

Die Ursache vom Fibromyalgie-Syndrom ist unklar. Wahrscheinlich stellt die Erkrankung eine Reaktionsform des Organismus auf unterschiedliche Reize dar. Langandauernder familiärer, beruflicher oder sozialer Stress führen zu einem Überforderungssyndrom mit veränderter Selbstwahrnehmung und möglicherweise Störung von neuroendokriner Regulation in unterschiedlicher Ausprägung.


Therapie bei Fibromyalgie-Syndrom

Die Behandlung der Fibromyalgie-Syndrom- Patienten/innen nehmen wir seit Jahren sehr ernst und das Fibromyalgie-Syndrom stellt eine Hauptindikation unserer Orthopädischen Abteilung dar.

Wir verzeichnen seit 1998 einen kontinuierlichen deutlichen Anstieg der behandelten Fibromyalgie-Syndrom -Patienten/innen. 1998 waren es nur 40 Patienten/innen, im Jahre 2003 mehr als 300 Patienten/innen.

Leider können wir Ihnen keine Wunderspritze oder Wundertablette zur Heilung des Fibromyalgie-Syndrom anbieten.

Das komplexe und vielschichtige Beschwerdebild beim Fibromyalgie-Syndrom erfordert einen multimodalen Therapieansatz unter stationären Bedingungen über eine Zeitdauer von mindestens 3 Wochen, bei schweren Verläufen auch länger.

Ganz individuell wird mit Ihnen, als betroffenem/r Fibromyalgie-Syndrom -Patient/in, ähnlich einem Puzzle, ein vielschichtiges Behandlungsprogramm erstellt. Davon versprechen wir uns eine bestmögliche Linderung Ihrer typischen Beschwerden beim Fibromyalgie-Syndrom.

Ebenso wichtig erscheint uns Ihre umfassende Information über die vorliegende Erkrankung und deren Prognose. Dazu wird Ihnen eine themenzentrierte Kleingruppenarbeit unter psychologischer und ärztlicher Begleitung angeboten.

Schmerzfreiheit können wir leider nicht versprechen. Wir wünschen uns, mit Ihnen gemeinsam ein Stück auf dem Weg zur Beschwerdelinderung voranzuschreiten und werden dazu alle unsere Möglichkeiten mobilisieren. 

Speziell umfasst unser typisches Behandlungskonzept beim Fibromyalgie-Syndrom folgende Inhalte:

Ärztliche Betreuung von Fibromyalgie-Syndrom -Patienten/innen in der Klinik Hoher Meißner

  • Untersuchung und Anamnese zwecks Diagnosesicherung unter Beachtung der Ausschlusskriterien.
  • Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, therapeutische Möglichkeiten und Prognose.
  • Vermittlung von bio-psycho-sozialen Zusammenhängen unter der Zielsetzung.
  • Sorgfältige sozialmedizinische Beratung und Erstellung eines positiven und negativen Leistungsbildes unter Berücksichtigung der funktionellen Leistungseinschränkungen und des Leidensdruckes der Betroffenen, unter Einschaltung der Sozialarbeiterin.
  • Weichenstellung für sinnvolles Freizeitverhalten und weiterführende geeignete sportliche Aktivitäten.
  • Akupunktur im Sinne von Körper- und Ohrakupunktur zur Schmerzlinderung und Entspannung.
  • Ggf. transkutane Nervenstimulation (Tens).
  • Ggf. therapeutische Lokalanästhesie.
  • Ggf. medikamentöse Therapie.
  • Ggf. Chirotherapie unter Bevorzugung von "weichen" mobilisierenden Techniken (bei gleichzeitigem Vorliegen von Blockierungen im Wirbelsäulen- oder Gelenkbereich).
  • Problem- und verhaltenstherapeutisch orientierter Gesprächskreis "Fibromyalgie-Syndrom" unter psychologischer bzw. psychologischer und ärztlicher Führung. (wöchentlich 1,5 bis 2 Stunden zum Gedankenaustausch, Fragen und Antworten und Vermitteln von Selbsthilfestrategien im Umgang mit dem Fibromyalgie-Syndrom)
Psychologische Behandlung von Patienten/innen mit einem Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner
Basierend auf einem kognitiv-behavioralen Ansatz.
  • Erhebung der biografischen Anamnese unter psychodynamischen Gesichtspunkten.
  • Aufklärung über die Erkrankung und mögliche Zusammenhänge der Schmerzen mit sowohl physischen wie auch psychischen Belastungssituationen.
  • Aufklärung und Information - Kennenlernen und Verstehen der Eigenheiten und Bedeutung von Schmerzen - Beruhigung bzgl. der Prognose des Leidens.
  • Orientierung der Patienten auf ihre Ressourcen und Aufbau schmerzbezogener Kontrollüberzeugungen.
  • Schmerz soll als Herausforderung, die es zu bewältigen gilt und nicht als Schicksal, dem man hilflos ausgeliefert ist, verstanden werden.
  • Verbesserung der Lebensqualität nach dem verhaltenstherapeutischen Ansatz von LUTZ & KOPPENHÖFER (1983) zum Aufbau positiven Erlebens und Handelns bei depressiven Patienten - Vermeiden von Stress - Verbesserung der Wahrnehmung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse ohne übermäßige Angst vor Konflikten - Abbau des eigenen überhöhten Anspruchsniveaus, um mehr Zeit für sich selbst und ausgleichende Aktivitäten zu haben - Transfer in den Alltag.
  • Vermittlung und Training von Entspannungstechniken.

1. Physiologisch:

  • Senkung des schmerzverstärkenden physiologischen Erregungsniveaus.
  • Periphere Gefäßerweiterung.
  • Regulierung der Atmung.
  • Senkung der Herzfrequenz.
  • Veränderung der Hirnaktivität.

2. Psychologisch:

  • Erleben von zunehmender Ruhe und Gelassenheit.
  • Erfahrung der Kontrollierbarkeit und Beeinflussbarkeit des eigenen Körpers.
  • Verbesserung der Wahrnehmung, welche Situationen Anspannung und Schmerz auslösen.
  • Reduzierung der Ängstlichkeit.
  • Verbesserung der Schlafqualität.
  • Lenkung der Aufmerksamkeit und positive Imagination.

Spezielle Krankengymnastik bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner

Täglich spezielle Einzel- oder Kleingruppengymnastik für Fibromyalgie-Syndrom -Patienten/innen zu Lande und im Wasser. Diese beinhalten:

  • Dehnungsübungen für verkürzte Muskulatur nach vorheriger Funktionsanalyse. Verhaltenstraining im Sinne von Rückenschule/ Gelenkschule. Erlernen eines "Stretching-Programmes" zwecks häuslicher Weiterführung in Eigenregie. Ggf. Aquamotion als Einzeltherapie (Tiefenentspannung). Ggf. Beckengürtelgymnastik, Schultergürtelgymnastik oder Wirbelsäulengymnastik.

Physikalische Therapie bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner

  • Wannenbäder (z. B. Molke-, Kamillenblüten-, Rheuma-, Melisse-, Öl-, Kohlendioxydbad).
  • Elektrotherapie (Niederfrequenz-, Mittelfrequenz-, Hochfrequenztherapie).
  • Magnetfeldtherapie.
  • Moorbad und Moorpackungen mit Naturmoor.
  • in Einzelfällen Kryotherapie (Kältetherapie) mit Kaltmoor und Kaltluft (keine Kältekammer).
  • Segmentmassage.
  • Akupunktmassage.
  • Fußreflexzonenmassage.
  • manuelle Schmerztherapie.
  • Lymph-Migränebehandlung.
  • Lymphdrainage.
  • Wärmebett.
  • Infrarotkabine (Tiefenwärme).

Vorsichtig dosierte Spezielle Medizinische Trainingstherapie bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner

  • In offenen Gruppen ohne Leistungsdruck zur Verbesserung von Kraft und Ausdauer.
  • Spiele und Übungen ohne Gewinner und Verlierer.
  • Walken.
  • Moderates Ergometertraining.

Spezielle Ergotherapie bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner
Kreativgruppe (nur für Fibromyalgie-Syndrom -Patienten/innen).
Meditatives Malen

  • Aktivitäten, wie Seidenmalerei, Weben, Peddigrohrarbeiten, Serviettentechniken, Kratztechniken und andere Bastelarbeiten sollen Impulse geben, ihre eigene Kreativität und Spontaneität zu entfalten, auf schöpferischem Sektor Erfolgserlebnisse zu verzeichnen und dadurch Spaß und Freude haben.
  • Meditatives Malen
Fingergruppe, warmes oder kühles Sand-/Kiesbad.

Interferenzhandschuhbehandlung.

Medikamentöse Therapie bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner

  • Häufig Amitriptylin in niedriger Dosierung.
  • Muskelrelaxantien.
  • Nur im Ausnahmefall nichtsteroidale Antirheumatika.

Sozialberatung bei Fibromyalgie-Syndrom der Klinik Hoher Meißner

  • Hilfestellung bei sozialrechtlichen Fragen entsprechend SGB.
  • Hilfe bei beruflicher Reintegration.

Ernährung und Ernährungsberatung bei Fibromyalgie-Syndrom in der Klinik Hoher Meißner

  • Fleischarme bzw. vegetarische Kost.
  • Gruppen-, evtl. Einzeldiätberatung durch Diätassistentin.
  • Vortrag: Ernährungsstrategien bei Fibromyalgie-Syndrom.
  • Koch- und Backkurs.
Besondere Angebote in der Klinik Hoher Meißner

Möglichkeit zur zeitgleichen Anreise des Ehepartners als Begleitperson (siehe unter www.reha-klinik.de)
Wenn gewünscht, ist auch die Anreise mit minderjährigen Kindern möglich, nach Rücksprache mit unserem Aufnahmebüro (unter der Telefonnummer 05652/55803).
In Einzelfällen Infrarothyperthermiebehandlung (siehe unter www.1-hyperthermie.de).
Für viele unserer Patienten/innen konnten wir durch unser dargestelltes komplexes  Behandlungsprogramm zur Schmerztherapie und beim Fibromyalgie-Syndrom eine deutliche Beschwerdelinderung erreichen und wir würden uns freuen, unsere Erfahrungen auch in Ihren Dienst stellen zu können. Mehr zum Thema Rehabilitation finden Sie unter diesem Link: www.fibro-my-algie.de/rehabilitation/
Wenn Sie Fragen haben, so rufen Sie doch einfach an (Telefon: 05652/55821) oder besser senden Sie eine E-Mail (orthopaedie@reha-klinik.de). Weitere Informationen zur Fibromyalgie - doctorhelp.de

Die Ausführungen wurden nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft erstellt. Sollten Ihnen Fehler oder Unklarheiten auffallen, bitten wir sie um Mitteilung. Auch Anregungen werden gerne aufgenommen. Regelmäßige Überarbeitungen und Ergänzungen sind vorgesehen.

Mit allen guten Wünschen für Ihre Gesundheit
Dr. med. Petra Brückner

Chefärztin der Orthopädischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Fachärztin für Orthopädie, Fachärztin für Physikalische
und Rehabilitative Medizin, Chirotherapie,
Neuraltherapie und Akupunktur

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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